Mit der Bahn gegen die Klimakrise

Die Klimakrise und die Rolle des Bahnsektors

Klimakrise – lokale Emissionen mit globaler Wirkung

Die globale Erderwärmung wird überwiegend durch den immensen Verbrauch an fossilen Energieträgern, also Kohle, Öl und Gas, vorangetrieben. Die Auswirkungen sind vielfältig sichtbar und längst messbar geworden und bedrohen unseren Lebensraum. Den höchsten Ausstoß an Treibhausgasen weltweit verursachen Europa und die USA.

Zur Eindämmung der globalen Emissionen ist eine ökologisch und sozial gerechte Gestaltung des Verkehrssektors dringend notwendig. Neben Landwirtschaft und Industrie ist der globale Verkehr ein Haupttreiber für die Klimakrise.

Alles spricht für die Bahn

Es gibt kaum ein anderes Transportmittel wie die Bahn, welches derartige Massen an Menschen und Tonnen an Gütern über weite Strecken transportieren kann und dabei derart geringe Emissionen verursacht. So ist das Streckennetz in Europa, im Vergleich zu anderen Regionen und insbesondere den USA, relativ groß. Das europäische Ziel, nämlich mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen, ist bislang nicht erreicht worden, da dafür eine falsche Strategie gewählt wurde. Mittlerweile steht fest, dass der Weg der Liberalisierung, welchen die Europäische Kommission eingeschlagen hat, der falsche Weg ist. Da die Bahn zunehmend der Profitlogik unterworfen wurde, sind wenig rentable Strecken eingestellt und Investitionen verringert worden. Dieser Kurs gehört auf europäischer Ebene dringend korrigiert. Erfreulicherweise hat das österreichische Bahnsystem diese internationalen Trends des Bahnwesens besser überstanden als andere Länder. Dies ist auch eindeutig auf die politischen Richtungsentscheidungen vorangegangener Regierungen zurückzuführen. Während der Wirtschaftskrise haben vor allem staatliche Investitionen in den Eisenbahnsektor die österreichische Wirtschaft über Wasser gehalten.

Als Beispiel für verfehlte Verkehrspolitik kann Deutschland herangezogen werden. Trotz gravierender Mängel im Bahnverkehr wird der Löwenanteil an staatlichen Investitionen in den Ausbau der Straße gesteckt. Die Verlagerung des Bahnverkehrs auf die Straße hat sowohl ökologisch als auch sozial negative Auswirkungen. Der zunehmende Straßentransitverkehr belastet Mensch und Umwelt stark. So hat man dieses Jahr in Tirol zu drastischen Maßnahmen gegriffen und temporäre Fahrverbote verhängt, um der zunehmenden Belastung durch den motorisierten Verkehr entgegenzuwirken. Solche Maßnahmen sind kurzfristig vielleicht sinnvoll, jedoch brauchen wir eine langfristige Lösung für klimafreundlichen Transport und diese Lösung heißt Bahn sowie das Herstellen von Kostenwahrheit zwischen den Verkehrsträgern Straße und Schiene.

Kostenwahrheit im Transportsektor

Für umweltfreundliche Mobilität ist die Ausweitung des Bahnverkehrs unumgänglich. Derzeit herrscht in Österreich ein starkes Ungleichgewicht zwischen den Verkehrsträgern. Die Straße (keine flächendeckende Maut) und die Luftfahrt (Kerosin ist bis heute steuerfrei) haben wirtschaftliche Vorteile, die nur durch den Gesetzgeber geändert werden können. Es braucht eine klare politische Entscheidung für das System Bahn. Österreich steht zwar als Bahnland im europäischen Vergleich noch gut da, aber wir können uns auf den Lorbeeren nicht ausruhen. Die Bahn kämpft gegen eine starke Automobillobby und Regierungen, welche die Klimakrise ignorieren und staatliche Mittel vorzugsweise in den Ausbau der Straße anstatt in jenen des Eisenbahnverkehrs stecken.

Der Ausbau der Eisenbahninfrastruktur ist jedenfalls arbeits- und kostenintensiv. Allerdings sind die hohen Kosten für einen funktionierenden Bahnverkehr relativ zu betrachten, da keine Folgekosten für Klimaschäden anfallen würden. Betrachtet man die auf der Straße anfallenden Kosten bzw. insbesondere auch die Folgekosten, die durch Unfälle und Stau entstehen, ergibt sich erst der ungeschönte Blick auf die tatsächlichen Kosten, die auf der Straße verursacht werden. In Österreich wäre als wichtiger erster Schritt eine Elektrifizierung aller Strecken notwendig. Auch der Trend, immer mehr Bahnlinien einzustellen, sollte umgekehrt werden.

Haben wir eine Wahl?

Um die voranschreitende Vernichtung von Lebensraum und Ressourcen zu bremsen, brauchen wir ernstzunehmende politische Vertretungen, die Krisen im Sinne der Gemeinschaft ernsthaft bekämpfen. Dies erfordert jedoch auch Maßnahmen, welche bei Wahlen nicht immer populär sind, ja sogar Stimmen kosten würden.

Ein weiteres Zögern können wir uns nicht leisten – in keinerlei Hinsicht. Österreich stehen Strafzahlungen für das Nicht-Einhalten der Klimaziele in Milliardenhöhe ins Haus. Im Sommer hatte das Umweltministerium noch jubelnd einen Emissionsrückgang 2018 bekannt gegeben. Bei genauerem Hinsehen war dies jedoch nur zwei Faktoren geschuldet. Die Heizsaison begann aufgrund des milden Herbstklimas später und eine Wartung an einem VOEST-Hochofen dauerte länger als eingeplant.

ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä hat unlängst in einem Interview mit den OÖ Nachrichten die Situation wie folgt beschrieben: „Wettbewerb braucht Wettbewerbsgleichheit. Im heurigen Sommer haben wir an mehr als 40 Tagen mehr als 30 Grad gehabt, da kann man nicht leugnen, dass sich unser Klima verändert. Wir mussten heuer Schienen weiß streichen, um Schienenverwerfungen zu vermeiden. Wir brauchen einen Wandel in der Mobilität. Kerosin ist nicht besteuert. Wir haben ein Dieselprivileg, von dem der Transit-Lkw profitiert. Wir haben die höchste Steuer auf grünen Bahnstrom. Indem ich hier mehr Wettbewerbsgleichheit fordere, mache ich mich gern unbeliebt. Die nächste Generation wählt mich dann zum beliebtesten Manager, wenn wir von den Sonntagsreden zum Tun am Montag kommen.“

Der Eisenbahnsektor war stets stark von politischen Entscheidungen beeinflusst. Wenn wir also Einfluss nehmen wollen und vor allem die Position unserer österreichischen Bahnen stärken wollen, dann wäre die Nationalratswahl der nächste Termin, um die politische Richtung mitzubestimmen. Welche Positionen die Parteien vertreten und wie sie zur Bahn bzw. Klimapolitik oder CO2-Steuern stehen, findet ihr hier. Hoffen wir auf eine zukünftige Regierung, welche das System Bahn als beste Alternative gegenüber anderen Verkehrsträgern im Sinne unserer Bahnen in Rot-Weiß-Rot und im Sinne der Menschen in diesem Land forciert.